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Ratgeber · Ritual

Sauna-Aufguss: die Anleitung in sechs Schritten

Stand: Juli 2026
Kernantwort Ein Sauna-Aufguss ist schnell erklärt: Aufgusskonzentrat sparsam und nach Herstellerangabe in einen Eimer Wasser geben, niemals pur auf die Steine, dann das Wasser kellenweise über die heißen Steine verteilen und die Hitzewelle mit dem Handtuch durch die Kabine wedeln. Danach kurz genießen, den Gang in Ruhe beenden und die Kabine lüften. Mit der richtigen Dosierung und etwas Übung gelingt das Ritual schon beim ersten Versuch.

Was beim Aufguss physikalisch passiert

Der Aufguss ist der dramaturgische Höhepunkt jedes Saunagangs, und dahinter steckt simple Physik. Trifft Wasser auf die heißen Steine des Ofens, verdampft es schlagartig und reichert die zuvor sehr trockene Saunaluft mit Feuchtigkeit an. Am Thermometer ändert sich dabei kaum etwas, auf der Haut dagegen umso mehr: Die feuchte Luft überträgt Wärme deutlich besser als trockene, und gleichzeitig kann der eigene Schweiß schlechter verdunsten und den Körper kühlen. Die gefühlte Temperatur springt also nach oben, obwohl die Kabine nicht heißer wird.

Die Finnen haben für diesen Moment ein eigenes Wort: Löyly, der Dampf, der von den Steinen aufsteigt, und im weiteren Sinn das gesamte Klima der Sauna. Ein gutes Löyly ist weich und umhüllend statt stechend, und genau das ist die Kunst des Aufgießens. Sie besteht weniger aus Geheimwissen als aus drei Grundsätzen: heiße Steine, kleine Wassermengen, sparsame Dosierung des Dufts. Alles Weitere ist Übung und persönlicher Geschmack.

Eine Rolle spielen auch die Steine selbst: Saunasteine sind grobe, hitzebeständige Brocken, die Wärme speichern und beim Aufguss schlagartig wieder abgeben. Liegen sie locker geschichtet im Steinkorb, kann das Wasser zwischen ihnen verdampfen, statt ungenutzt nach unten durchzulaufen. Mit den Jahren verwittern Saunasteine allerdings; kontrolliere sie deshalb gelegentlich, schichte sie neu und ersetze brüchige Exemplare, damit das Löyly kräftig bleibt.

Wichtig zu wissen: Der Aufguss gehört in die klassische Sauna mit Ofen und Steinen. Eine Infrarotkabine arbeitet ohne beides, dort ist das Ritual technisch nicht möglich. Und auch in der Sauna gilt, dass der Aufguss den Gang intensiver macht; wer neu im Thema ist, liest am besten zuerst unsere Anleitung zum richtigen Saunieren und nimmt den Aufguss als zweiten Schritt dazu.

Die Ausrüstung: mehr als Eimer und Kelle

Für einen ordentlichen Aufguss brauchst du erstaunlich wenig, aber das Wenige sollte stimmen. Das Herzstück ist der Aufgusseimer, klassisch aus Holz mit einem Kunststoffeinsatz, der das Holz vor dem Aufquellen schützt, alternativ komplett aus Edelstahl. Dazu kommt die passende Saunakelle mit langem Stiel, damit du beim Aufgießen genug Abstand zum heißen Ofen hältst. Beides gibt es einzeln oder im Set; worauf du bei Material und Verarbeitung achten solltest, zeigt unsere Übersicht zum Sauna-Zubehör.

Dritter Baustein ist der Duft: Aufgusskonzentrate sind fertig abgestimmte Mischungen aus ätherischen Ölen, die für die Verdünnung im Aufgusswasser gedacht sind. Sie unterscheiden sich in Duftrichtung und Ergiebigkeit erheblich, von klassischer Birke über Eukalyptus und Zitrus bis zu winterlichen Gewürzmischungen. Welche Konzentrate sich in der Praxis bewährt haben, vergleichen wir separat in unserer Übersicht der besten Saunaaufgüsse.

Optional, aber sinnvoll: ein großes Handtuch oder ein Wedelfächer zum Verteilen der Hitze, eine Sanduhr für das Zeitgefühl und ein Klimamesser aus Thermometer und Hygrometer, der dir zeigt, was dein Aufguss mit dem Kabinenklima macht. Wer regelmäßig aufgießt, wird diese kleinen Helfer nicht mehr hergeben wollen.

Die Anleitung in sechs Schritten

Schritt 1: Sauna vorheizen und kurz lüften. Der Aufguss braucht richtig heiße Steine, sonst verdampft das Wasser nicht schlagartig, sondern läuft zischend durch den Steinkorb. Heize die Kabine also vollständig auf und lüfte unmittelbar vor dem Gang einmal kurz durch, damit frische, sauerstoffreiche Luft in der Kabine ist. Ob dein Ofen für Aufgüsse ausgelegt ist, verrät die Anleitung des Herstellers; einen Überblick über geeignete Modelle gibt unsere Saunaofen-Kaufberatung.

Schritt 2: Wasser vorbereiten. Fülle den Aufgusseimer mit frischem, sauberem Wasser, etwa einen Liter für einen kompletten Aufguss. Kaltes bis lauwarmes Wasser ist völlig in Ordnung, es kühlt die Steine bei kellenweiser Dosierung nicht nennenswert aus.

Schritt 3: Konzentrat sparsam dosieren. Gib das Aufgusskonzentrat ins Wasser, nicht umgekehrt, und halte dich an die Dosierungsangabe des Herstellers; als grobe Orientierung genügen oft wenige Milliliter pro Liter. Verrühre die Mischung kurz mit der Kelle. Die wichtigste Regel überhaupt: Konzentrat oder ätherisches Öl niemals pur auf die Steine, das ist eine Frage der Sicherheit, nicht des Geschmacks.

Schritt 4: Kellenweise aufgießen. Verteile das Wasser in zwei bis vier Kellen über die Steine, mit kurzen Pausen dazwischen, damit jede Portion vollständig verdampfen kann. Gieß mit gestrecktem Arm und halte Gesicht und Hände aus dem aufsteigenden Dampf, der direkt über dem Ofen am heißesten ist.

Schritt 5: Wedeln. Jetzt kommt der Teil, der den Aufguss zum Erlebnis macht: Verteile die heiße, feuchte Luft mit kreisenden Bewegungen eines Handtuchs oder Fächers in der Kabine, sodass die Hitzewelle alle Sitzplätze erreicht. Zwei, drei ruhige Durchgänge reichen, es geht um gleichmäßige Verteilung, nicht um Sturm.

Schritt 6: Nachwirken lassen und lüften. Setz dich, genieße die Wärme und beende den Saunagang wie gewohnt, wenn sich dein Körper meldet; nach einem Aufguss darf der Gang gern etwas kürzer ausfallen. Wiederhole das Ritual höchstens einmal pro Gang, denn mehr Aufgüsse bedeuten nicht mehr Erholung, sondern nur mehr Kreislaufbelastung. Nach dem Gang wird die Kabine kurz gelüftet, damit die Feuchtigkeit entweicht und für den nächsten Durchgang wieder frische Luft bereitsteht.

Dosierung und Sicherheit

Beim Aufguss gibt es genau zwei Dinge, die schiefgehen können, und beide sind vermeidbar. Das erste ist die Überdosierung: Zu viel Konzentrat macht den Dampf stechend, reizt Augen und Atemwege und kippt das Erlebnis von wohltuend zu unangenehm. Halte dich deshalb konsequent an die Herstellerangabe und taste dich im Zweifel von unten heran. Nachdosieren beim nächsten Aufguss ist immer möglich, ein überdosierter Aufguss dagegen ruiniert den ganzen Gang.

Das zweite Risiko ist ernster: Unverdünnte ätherische Öle sind brennbar. Pur auf die heißen Steine gegossen, können sie sich entzünden oder verbrennen zumindest zu beißendem Qualm, statt sauber zu verdampfen. Konzentrat gehört deshalb ausnahmslos zuerst ins Wasser. Achte außerdem darauf, dass kein Aufgusswasser auf Ofengehäuse, Steuerung oder Leuchten gelangt, und bewahre Konzentratflaschen außerhalb der Kabine auf, wo Hitze und Kinderhände nicht herankommen.

Zur Sicherheit gehört schließlich das Lüften: vor dem Aufguss für frische Luft, nach dem Gang gegen die Restfeuchte. Eine gut belüftete Kabine trocknet schneller ab, was auch dem Holz zugutekommt. Und wie beim Saunieren generell gilt: Der Aufguss verstärkt die Kreislaufbelastung spürbar. Wer gesundheitlich vorbelastet ist, etwa durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck, oder schwanger ist, klärt vorab ärztlich, ob und wie intensiv sauniert werden sollte.

Denk außerdem an die Mitsaunierenden: Kündige den Aufguss kurz an, damit niemand von der Hitzewelle überrascht wird, und verzichte darauf, wenn nicht alle in der Kabine einverstanden sind. In der Familiensauna gilt zusätzlich: Kinder sitzen auf den unteren Bänken, wo die Hitzewelle deutlich milder ankommt, und bleiben beim Aufguss nur dabei, wenn sie sich sichtbar wohlfühlen.

Duftfamilien und Anlässe

Die Welt der Aufgussdüfte sortiert sich grob in Familien, und mit drei bis vier Sorten im Schrank bist du für jede Stimmung gerüstet. Zitrusdüfte wie Orange, Lemongras oder Grapefruit und mentholhaltige Richtungen wie Minze und Eukalyptus werden von vielen als frisch und belebend empfunden und passen gut in den Morgen oder an den Start eines Saunatags. Kräuter- und Holznoten wie Lavendel, Fichte oder Sandelholz gelten dagegen als ruhige Abenddüfte, mit denen viele den Saunatag ausklingen lassen.

Dazu kommen die Klassiker der finnischen Tradition, allen voran Birke, sowie saisonale Mischungen von Maiglöckchen im Frühjahr bis Zimt und Orange im Winter. Wichtig ist uns die ehrliche Einordnung: Düfte prägen die Atmosphäre und werden unterschiedlich als anregend oder entspannend empfunden, Heilwirkungen versprechen sie nicht. Wer empfindlich auf Duftstoffe reagiert, beginnt mit besonders milden Sorten oder gießt schlicht mit klarem Wasser auf, denn auch ein Aufguss ganz ohne Duft ist ein vollwertiges Löyly.

Beim Einkauf lohnt der Blick auf Ergiebigkeit und Zutatenliste: Hochwertige Konzentrate setzen auf naturreine ätherische Öle und reichen dank sparsamer Dosierung viele Monate. Für den Einstieg ist ein Set aus drei kleinen Flaschen sinnvoller als der Literkanister einer einzigen Sorte, denn der Duftgeschmack in der heißen Kabine unterscheidet sich oft deutlich von dem am Verkaufsregal.

Aufguss-Etikette in öffentlichen Saunas

In deutschen Thermen und Saunahäusern ist der Aufguss eine Zeremonie mit festen Regeln. Aufgegossen wird zu angekündigten Zeiten und ausschließlich vom Personal, dem Saunameister; eigene Konzentrate oder spontane Extra-Kellen der Gäste sind tabu. Auch das Wedeln übernimmt dort der Saunameister, oft mit beachtlicher Handtuch-Choreografie. Wer teilnehmen möchte, kommt einige Minuten vor Beginn in die Kabine, denn während des Aufgusses bleibt die Tür geschlossen, damit die mühsam aufgebaute Hitze nicht entweicht.

Während des Rituals gilt: sitzen bleiben, Ruhe halten, den Anweisungen des Saunameisters folgen. Wem die Hitzewelle zu intensiv wird, der darf die Kabine selbstverständlich jederzeit verlassen, möglichst leise und zügig. Nach dem Aufguss läuft alles wie bei jedem Saunagang: abkühlen, ruhen, trinken. Die gute Nachricht für alle, die lieber selbst zur Kelle greifen: In der eigenen Sauna bestimmst du Duft, Dosierung und Dramaturgie ganz allein.

Fazit

Ein gelungener Aufguss braucht kein Talent, sondern Reihenfolge: heiße Steine, frisch gelüftete Kabine, sparsam dosiertes Konzentrat im Wasser, zwei bis vier Kellen, ruhiges Wedeln, danach lüften. Wer diese sechs Schritte einhält und die Sicherheitsregeln respektiert, holt aus jeder Kabine das weiche, umhüllende Löyly heraus, für das die Finnen ein eigenes Wort erfunden haben. Und wenn du das Ritual so liebgewinnst, dass du es täglich willst: In unserem Vergleich der besten Fasssaunas und im gesamten Sauna-Ratgeber findest du den Weg zur eigenen Aufguss-Bühne im Garten.

HinweisDieser Artikel vermittelt allgemeines Sauna-Wissen und ersetzt keine medizinische Beratung. Aufgüsse erhöhen die gefühlte Hitze und die Kreislaufbelastung; bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schwangerschaft oder akuten Infekten kläre die Saunanutzung bitte vorab ärztlich ab.
Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Sauna-Aufguss

Dosierung, Sicherheit und Etikette: die häufigsten Aufguss-Fragen, kurz und ehrlich beantwortet.

Wie dosiere ich Saunaaufguss-Konzentrat richtig?

Immer nach Herstellerangabe, als grobe Orientierung genügen wenige Milliliter Konzentrat auf einen Liter Wasser. Das Konzentrat kommt zuerst ins Wasser im Aufgusseimer und wird dort verrührt, niemals unverdünnt auf die heißen Steine. Weniger ist mehr: Nachdosieren geht immer, ein überdosierter Aufguss beißt in Augen und Atemwegen.

Warum darf ätherisches Öl nie pur auf die Steine?

Unverdünnte ätherische Öle sind brennbar und können sich auf den heißen Steinen entzünden. Außerdem verbrennen die Duftstoffe, statt zu verdampfen, was beißenden Qualm statt angenehmem Duft erzeugt. Öle und Konzentrate gehören deshalb immer zuerst ins Aufgusswasser und erst gut verdünnt kellenweise auf den Ofen.

Kann ich in meiner Heimsauna Aufgüsse machen?

Ja, wenn dein Saunaofen dafür ausgelegt ist. Elektroöfen mit offenem Steinkorb vertragen kellenweise Aufgusswasser problemlos, maßgeblich ist die Anleitung des Herstellers. Wichtig sind ausreichend aufgeheizte Steine und ein Aufguss in mehreren kleinen Portionen. In der Infrarotkabine ist ein Aufguss dagegen technisch nicht möglich.

Wie viele Kellen Wasser gehören auf die Steine?

Als Faustregel gießt du zwei bis vier Kellen mit kurzen Pausen dazwischen auf, nicht den ganzen Eimer auf einmal. So verdampft das Wasser vollständig auf den Steinen und die Hitzewelle bleibt kontrollierbar. Zwischen zwei Aufgüssen sollte die Sauna kurz gelüftet werden, damit frische Luft nachkommt.

Was bedeutet Löyly?

Löyly ist das finnische Wort für den Dampf, der beim Aufguss von den heißen Steinen aufsteigt, und im weiteren Sinn für das gesamte Saunaklima. Ein gutes Löyly beschreibt die weiche, umhüllende Hitzewelle nach dem Aufgießen. Der Begriff zeigt, wie zentral der Aufguss in der finnischen Saunakultur ist.

Darf ich in öffentlichen Saunas selbst aufgießen?

Nein, in den meisten deutschen Thermen und Saunahäusern ist der Aufguss Sache des Personals und findet zu festen Zeiten statt. Eigenmächtige Aufgüsse gelten als grober Verstoß gegen die Saunaregeln. Wer den Aufguss selbst zelebrieren möchte, tut das in der eigenen Sauna zu Hause oder im Garten.